Die Sache mit

Die Sache mit: dem schlechten Gewissen, beim Krankmelden auf der Arbeit

1. April 2015

Hallo ihr Lieben,

 

einige von euch werden meine Gedanken sicher verstehen können. Ich muss aber ein wenig weiter ausholen. Damals, als ich noch Kinderlos und in dem Sinne ohne festen Arbeitsplatz war (also noch in der Ausbildung) konnte ich Familie und Freunde (mit oder ohne Kinder) nie verstehen, wenn sie mit sich haderten sich bei Krankheit auf der Arbeit arbeitsunfähig zu melden. Ich war (und bin es eigentlich auch noch jetzt) der Meinung, wenn man krank ist ist man krank und muss sich eben erholen. Das zieht eben mit sich zum Arzt zu gehen und sich ggf. auf der Arbeit zu melden, dass man eben nicht kommen kann.

 

Nun, wo ich endlich eine Festanstellung und ein Kind habe sieht die Sache schon wieder anders aus. Im November ging es mir hundselend. Ich hing nur auf dem Klo und mir war schlecht. Montagmorgen musste ich also auf Arbeit anrufen um Bescheid zu geben, dass ich nicht kommen kann und zum Arzt gehe. Nach dem Arzt musste ich erneut anrufen um mitzuteilen, wie lange ich nicht einsatzbereit bin. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was für ein unheimlich schlechtes Gewissen ich hatte. Und das obwohl ich wirklich krank war und nicht einfach “Urlaub mit dem gelben Schein” machen wollte. Auch das gibt es ja zu genüge .. Jedenfalls ging es mir vom Gewissen her wirklich schlecht. Was wohl nun die Kollegen denken? Ob sie nun noch mehr zu tun haben? Sind sie vielleicht genervt davon, dass ständig Leute krank sind und nun auch noch ich? Eigentlich total bescheuert .., wie ich ja schon schrieb, wenn man krank ist ist man krank und ich persönlich finde es furchtbar, wenn die Leute so zur Arbeit kommen und man Angst haben muss sich mit deren Seuchen anzustecken. Mir reicht ja schon, dass ich der ständigen Gefahr von den gefährlichen Kitakeimen ausgesetzt bin. Wo wir schon beim nächsten Punkt wären.

 

Natürlich ist auch Mia im Winter krank geworden. Mit sehr hohem Fieber und allem was dazu gehört. Klar, mit ein bisschen Schnupfen und Husten schicke ich sie dennoch in den Kindergarten, wenn sie denn ansonsten auch fit ist. So musste ich selbst auch schon in die Kita, zur Schule und das hindert mich auch Gewiss nicht daran arbeiten zu gehen. Ich rief also auf der Arbeit an um mich “Kindkrank” zu melden. Und was ist? Auch dort schaltete sich mein schlechtes Gewissen ein, obwohl mein Kind an 1. Stelle steht in meiner “Prioritätenliste”. Ich würde alles sofort stehen, liegen und fallen lassen, wenn es um mein Kind geht. Also warum zum Henker bekam ich wieder mal ein schlechtes Gewissen?

 

Krankschreibung

 

 

Ich, die sonst allen immer predigte, dass sie sich mal nicht so haben sollen und dann eben zu Hause in Ruhe gesund werden. Tja, nun bin auch ich in diesem Strudel der heutigen Gesellschaft. Das zieht nach sich, dass ich schon mit Fieber, einem gebrochenem Zeh und auch mit einer leichten Gehirnerschütterung auf Arbeit saß. Wo selbst Freunde und Kollegen an mich appellierten zu Hause zu bleiben. Ich konnte dies aber mit meinem Gewissen einfach nicht vereinbaren. Letzte Woche war ich nun auch wieder zu Hause, weil es mir nicht gut ging. Und dann kam die Kleine Maus auch noch dazu. Wirklich erholen konnte ich mich nicht und so hänge ich nun auch diese Woche noch mit einer fetten Nasennebenhöhlenentzündung hier, fühle mich nicht ganz so fit und gehöre wohl eher ins Bett. Tja, aber das geht halt nicht und so beiße ich mich wiedermal durch.

 

Ich frage mich aber ehrlich, woher das kommt? Ist es wirklich nur die Angst den Job zu verlieren, bzw. das der Vertrag nicht verlängert wird? Treiben einen Existenzängste zur Arbeit, obwohl man sich und seinem Körper die Zeit zum Gesund werden geben sollte? Oder ist es einfach wegen der Kollegen? Weil man sie mit der Arbeit “allein” lässt? Ich kann es mir nicht erklären und wünschte mir manchmal meine alte Gelassenheit in diesem Thema wieder. Diese Unbeschwertheit sich zu sagen: “Hey, du bist Krank und hast ein Recht dazu erstmal wieder richtig fit zu werden.”

 

Wie ist das bei euch? Schaltet sich bei euch auch das schlechte Gewissen ein oder seht ihr das locker? Und wie ist das bei den Selbstständigen unter uns? Lasst ihr die Arbeit dann einfach liegen, oder macht ihr dennoch soviel es geht? Wie war das  bevor ihr Kinder hattet? Ähnlich wie bei mir, oder ganz anders?

 

Ich bin wirklich sehr gespannt auf eure Antworten und würde mich sehr über einen Austausch zu diesem Thema freuen 🙂

 

Im übrigen ist die Kategorie “Die Sache mit, …” nun neu und ich habe noch einige Themen mehr in Petto wo wir uns zusammen drüber austauschen können. Ich hoffe, dass ihr diese Kategorie genauso mögen werdet, wie ich es schon jetzt tue.

 

Ich wünsche euch einen wundervollen Abend, 

 

eure Mine

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6 Comments

  • Reply Verena 2. April 2015 at 11:07

    Danke für diesen Beitrag! Du sprichst mir aus der Seele! Früher hab ich sogar öfter mal blau gemacht, als ich noch in der Ausbildung war…jetzt melde ich mich nur krank wenn ich wirklich nicht aus dem Bett aufstehen kann oder eben die Kleine nicht “kitafähig” ist. Dann hab ich aber so ein schlechtes Gewissen dass ich den ganzen Tag denke: oh nein, ich hätte vielleicht doch gehen können… Soooo krank ist sie doch gar nicht. Und ja sie steht bei mir an erster Stelle und ich hätte nie nie gedacht dass ich mir ernsthaft überlege mein krankes Kind in die Kita einzuschleußen… Habe schon allerhand gehört: Eltern die bewusst das Fiebermessen vergessen um sich selber einzureden: mein Kind ist doch gar nicht krank, es hat nur einen knallroten Kopf weil es gestern zu lange in der Sonne war, bis hin zu verzweifelten Eltern, die vor der Kita Zäpfchen reinstopfen um dann ihr fittes Kind abzugeben. Huch wo kommt denn das Fieber auf einmal her, wenn die Kita ein paar Stunden später anruft? Hmmm ja da sind wir wohl noch im Rahmen mit unseren Gewissensbissen obwohl es mich schon nervt dass ich mich nicht einfach hingebungsvoll um mein Mäuschen kümmern kann!!! Krank sein war bei mir als Kind immer auch was schönes, geborgenes mit viel Kuscheln und Verwöhnung und kein hektisches Wer-kümmert-sich-heute-um-sie?Mama-Papa-Tante-Kita? Und wer ist dann morgen dran??? Wer hat die wichtigeren Termine? Naja alles Käse. Was dahinter steckt? Ich glaube bei mir sind es weniger existenzielle Ängste als mehr der Druck den ich verspüre, allen beweisen zu müssen wie toll ich Arbeit und Kind vereinbaren kann!!! Und das ist ein gesellschaftliches Problem. In Wirklichkeit kann man diese beiden Bereiche nicht kontinuierlich reibungslos vereinbaren, da man selbst einfach auch nur ein Mensch ist und nicht 200% Leistung bringen kann. Das schafft im Übrigen auch keine Maschine auf Dauer…

    • Reply MiMi Erdbeer 2. April 2015 at 13:43

      Hallo Verena,

      vielen Dank für deine Antwort 🙂
      Ja, solche Eltern kenne ich (leider) auch, die ihre Kinder mit Magen-Darm, Fieber und co in den Kindergarten bringen, obwohl es nicht zu übersehen ist, dass es dem Kind nicht gut geht. Ein Glück sind unsere Erzieherinnen da rigoros und schicken die Eltern samt Kind sofort wieder nach Hause.
      Wenn Mia Fieber hat gibt es für mich da kein Wenn und Aber, da bleibt sie selbstverständlich zu Hause. Aber ich kann deine Gedanken auch verstehen, wir saßen hier auch schon oft und haben überlegt ob wir sie bringen können oder nicht. Und wer zu Hause bleibt, denn du sagst es: 20 Tage im Jahr für ein krankes Kind sind wahnsinnig wenig .. Da muss man sich schon ein gutes Netzwerk aufbauen um das Kind super betreuen zu können, wenn man seiner Arbeit auch gut nachkommen möchte.

      Auch kann ich deine Beweggründe für das schlechte Gewissen nachvollziehen. Man möchte irgendwie in allen Lebenslagen und Aufgaben sehr gut sein, aber das geht halt leider nicht. Nur sehen wir das zu selten und dann folgt ein schlechtes Gewissen .. hach, es könnte so einfach sein *kicher*

      Liebe Grüße,
      Mine

  • Reply seinfeld 4. April 2015 at 09:03

    Hier meldet sich auch das schlechte Gewissen 🙂

    Obwohl man krank ist, trägt man dieses Gewissen gegenüber den Kollegen mit sich rum. Idiotisch, aber man kann es nicht abstellen.

    Ich arbeite seit Jänner wieder (nach meiner Karenz )und bin schon 11 Tage im Krankenstand gewesen. 11 Tage!!!!!!!!!!!!!!!! Das ist meine persönliche Hitliste dieses Frühjahr. Grippe (hatte ich nur in der Kindheit), Erkältungen, Magen-Darm. Und warum? Weil eben das Kind alles aus der Krippe mitnimmt. Mein Mann war auch schon krank und als wir beide die Grippe hatten, waren wir wirklich froh unsere Tochter für 2 Tage auszuquartieren. Wir waren total unfähig uns um sie zu kümmern. Da ist man wirklich froh, wenn die Großeltern auch mal eine Wegzeit von 45 min in Kauf nehmen um das Kind zu holen. Lustigerweise hatten wir bisher nur einen Tag Pflege (übernahm ich) Freistellung für unser Kind, da es durch div Freischichten meines Mannes möglich war, die Kleine zu betreuen.

    Aber die Krippen-Betreuer sind auch ständig krank, die wechseln sich ab und eine war schon einen Monat krank. Dieses Jahr müssen wirklich derart aggressive Viren unterwegs sein. Ich hoffe es wird besser, obwohl unsere Kleine schon wieder hustet und mein Mann mit Halsweh anfängt *ahhhhhhhhhhh*

    • Reply MiMi Erdbeer 4. April 2015 at 16:28

      Hallöchen,

      oh ja, die Kitakeime sind wirklich furchtbar. Wir haben irgendwie das Glück das Mia nicht alles mitnimmt oder wenn nur leicht. Aber ich bekomme es dann jedes mal volle Kanne ab. Unsere Kleine liegt hier mit Husten und Schnupfen und ich bin völlig außer Gefecht gesetzt dann. Ich arbeite ja seit September wieder, seitdem war ich insgesamt 10 Tage wegen mir Krankgeschrieben und 5 Tage nochmal für die Kleine. Beim nächsten Mal bleibt mein Mann dann zu Hause, da wir uns ja die 20 Tage (pro Jahr) “Kindkrank” einteilen müssen. Ein Netzwerk zur Betreuung ist definitiv nötig, das finde ich auch. Schön das die Oma und Opa auch die Fahrtzeit auf dich nehmen um euch zu unterstützen 🙂 Unsere wohnen ein Glück nicht weit weg und wenn es ihnen möglich ist helfen sie auch aus 🙂

      Herzliche Grüße,
      Mine

  • Reply Arbeitnehmerrecht - wenn das eigene Kind krank ist 13. November 2015 at 08:18

    […] schlechte Gewissen kommt zwar schnell auf, wie die zum Beispiel die Bloggerin MiMi Erdbeer berichtet, doch viel zu oft zu unrecht. Peter Fink, Betriebsrat der Hessing Klinik meint: »An oberster […]

  • Reply Erised 18. November 2019 at 04:29

    Hallo,
    auch wenn dein Beitrag schon etwas älter ist spricht er mir aus der Seele.
    Ich bin 32 Jahre, Alleinerziehend mit zwei kleinen Jungs (2&4 Jahre) Halbtags berufstätig und gerade haben wir 4 Uhr Nachts und ich bin wach weil ich krank bin. Soweit nichts Ungewöhnliches. Jedoch bin ich offiziell seit Freitag wieder gesund. Nach 4 Wochen… Begonnen mit der wundervollen Grippe. Was mit Kindern natürlich auch super zum auskurieren ist. Dann hatte ich eine OP nach welcher ich eine Woche zuhause bleiben sollte ja und dann kam ein Infekt dazu (Atemnot Husten emFieber etc) welcher mich erneut 2 Wochen flach legte. Ja und nun liege ich da bin erneut krank und liege wach weil ich richtig “Angst” habe dies morgen bei der Arbeit zu melden. Ich fühle mich schlecht. Aber nicht weil meine Firma schlecht auf sowas reagiert, ganz im Gegenteil mein Abteilungsleiter appelliert jedes mal an mich mich wirklich auszukurieren. Somit warum das so ist kann ich nicht verraten. Nur das es auch mir so geht.
    Vermutlich werde ich mich morgen früh rasch zum Arzt schleppen um irgendwelche Medikamente bitten die fix helfen könnten und dann zur Arbeit gehen. Wohl wissend das dies bestimmt nicht lange gut geht …
    In diesem Sinne, Gute Nacht und danke für deinen Text 🙂

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