Persönliche Erinnerungen/ Gedanken

Verlassen der Komfortzone.

10. Juni 2017

Hallo ihr Lieben,

es gab vor ein paar Wochen eine Situation die mich völlig fertig gemacht hat. Ich sollte auf geheime Mission nach Bonn und es blieben mir genau 3 Möglichkeiten. Entweder ich wäre viele Stunden mit Bahn angereist und am gleichen Tag auch diese Stunden wieder zurück. Oder ich setze mich Morgens und Abends in ein Flugzeug und fliege jeweils knapp eine Stunde und die letzte Option war einfach alles bleiben zu lassen und keinen Gedanken mehr daran zu verschwenden.

Was als erstes rausfiel war natürlich die Bahnfahrt. Auf so viele Stunden in der Bahn hatte ich von vornherein keine Lust. Also blieb nur fliegen oder kneifen. Ich entschied mich zu fliegen. Das war für mich aber der reinste Horror. Ihr müsst wissen, ich leide unter akuter Flugangst. Allein der Gedanke daran ein Flugzeug zu betreten löst in mir Panik aus. Solange meine Tickets noch nicht gebucht waren, war auch alles vollkommen okay .. als ich aber 4 Tage vor Abflug alles in Sack und Tüten hatte wurde mir doch anders. Ihr müsst nämlich zusätzlich wissen, dass ich alles ganz allein machen sollte. Alleine fliegen, einen Tag alleine in Bonn und wieder zurück.

So simpel und einfach das (für euch) klingen mag, für mich ist es alles andere als das. Ich folge schon lange der lieben Maria auf ihrem Youtube Kanal „Chicmomy“ und verfolge somit von Anfang an ihre Videoreihe #findedichselbst. Dort beschreibt sie ihren Weg ihrer Selbstfindung, wo es auch genau um solche Situationen geht. Also, habe ich sie mir zum Vorbild genommen und mir gesagt: „Ach Yasmine, das machste doch mit links. Rein in den Flieger, aussteigen, auf geheimer Mission sein, rein in den Flieger und schon bist du wieder zu Hause.“

Tja, am Abend zuvor verließ mich jeglicher Mut. Ich lag im Bett, wach und heulte. Stunde um Stunde verging und ich musste wirklich früh raus am nächsten Tag. Letztendlich schlief ich 4 Stunden. Ich war super müde und zudem einfach nur ängstlich. Morgens um 6 Uhr alleine durch Berlin fahren machte mein mulmiges Gefühl nicht unbedingt besser und ich hoffte nur, diesen Tag schnell hinter mich zu bringen. Zwischendurch schrieb ich via Instagram mit Maria die mich darin bekräftigte und es toll fand, dass ich nun meine Komfortzone verlasse.

Und wisst ihr was? Ich bin immer gerne in dieser gewesen. Bloß nicht zu weit raus da, warum auch? Meistens musste ich das nicht. Alleine Dinge unternehmen, wie ins Kaffee setzen, alleine zu Bloggerevents war gedanklich nie ein Thema für mich. Aber seit diesem Tag hat sich einiges geändert, vorallem in meinen Gedanken und auch in meiner Komfortzone. Die wurde nämlich erweitert.

Flughafen Berlin Schönefeld

 

„Du verlässt deine Komfortzone“

Als ich am Flughafen Schönefeld dann ankam und vor meiner Abflughalle stand, ging mir natürlich wieder ordentlich der Hintern auf Grundeis. Ich fing an zu weinen und war kurz davor wieder in die Regionalbahn zu steigen und es bleiben zu lassen. Wissen möchte ich nicht was all die Menschen gedacht haben, die an mir vorbeiliefen. Unvermittelt blieb ich stehen (so wie die Leute in Kaufhäusern) und fing an zu heulen. Und ja, ich stehe dazu und finde, man muss auch mal Schwäche und Ängste zeigen können und offen dazu stehen. Wie sagte Maria so schön: „Du verlässt deine Komfortzone und die Angst ist vollkommen normal. Angst ist Energie!!!!!! Und das bedeutet immer Wachstum.“ Und damit sollte sie recht behalten, aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Ich schrieb Björn, ich erzählte ihm das ich weine und gleich umdrehe und wieder nach Hause fahre, aber er schaffte es mich zu beruhigen und somit trocknete ich meine Tränen (und von meinem Make-Up war rein nichts mehr vorhanden. Ich sah aus!! Wie ne absolut Irre .. Leute! Aber an diesem Tag war es mir so egal wie ich aussah, das könnt ihr mir glauben.) und ging rein. Nun stellte ich mich am Sicherheitsbereich an und probierte meinen Kopf für einen Moment auszuschalten. Nachdem ich dann kontrolliert wurde und alles in Ordnung war stand ich da .. in meiner Abflughalle im Sicherheitsbereich. Noch konnte ich flüchten und gehen.

Erstmal entschied ich mich aber dazu mich einfach hinzusetzen und abzuwarten. Und wo machte ich das? Genau: am Fenster wo ich alle Flugzeuge und co. sehen konnte. Sehr klug. Was passierte? Mir liefen wieder die Tränen. Ich wusste einfach nicht mit der Situation umzugehen, vorallem allein. Also schrieb ich meiner Freundin und sie konnte mich auch etwas aufmuntern (Danke Nadine an dieser Stelle nochmal) und so ging die Zeit rum. Natürlich hatte mein Flug auch noch Verspätung, also musste ich noch länger ausharren und dann begann das Boarding.

Wir stellten uns alle so langsam an und ich bemerkte, dass dieser Flieger scheinbar ausgebucht war. Hinter mir standen 4 Typen in meinem Alter mit Bier in der Hand .. Wohlgemerkt war es kurz vor 9 und die Buben wollten sicher in Köln/Bonn weiter in den Partyurlaub. Das wäre für mich gar nicht so wild gewesen, hätten sie nicht ihrem (ebenfalls mit Flugangst) Kumpel die wildesten Dinge erzählt. Zum Beispiel, wenn sie jetzt abstürzen kann man es eh nicht ändern, aber Hauptsache sie hatten vorher noch nen kühles Bier. Wenn Turbulenzen sind können sie ja noch fix ne Nachricht an die Hinterbliebenen schreiben etc. Genau DAS waren Worte die ICH nicht hören wollte. Meine Nervosität stieg ins Unermässliche. Nebenbei bekam ich dann immer wieder die Fragen, ob ich schon im Flieger sitze. Und dann wurde mein Ticket gescannt.

Flughafen Schönefeld Boarding

 

Kein Zurück mehr.

Ich stand plötzlich draußen an der frischen Luft. Die Sonne suchte sich den Weg zwischen den Wolken um durchzuleuchten. Wir wurden draußen immer mehr und ich sah unsere Maschine. Wir mussten von unten per Treppe einsteigen. Alle Leute um mich herum redeten, schauten auf ihre Handys, machten Fotos, filmten oder standen wie ich schweigend da. Ab diesem Moment funktionierte ich eher und probierte einfach nicht darüber nachzudenken. Kurz danach durften wir auch schon los zum Flugzeug. 

Da ich mir einen festen Platz reserviert hatte, wusste ich, dass es besser ist direkt hinten einzusteigen. Ich schickte Björn noch Fotos von außen und wie ich vor der Treppe stand. Dann ging ich diese hoch, wurde von der Crew freundlich empfangen und ging zu meinem Platz. Gebucht hatte ich mir übrigens einen Platz am Fenster 😉 Also, wenn schon denn schon.

Als ich an meinem Platz ankam packte ich meine Sachen oben ins Handgepäckfach und setzte mich auf meinen Platz. Mir war schlecht .. ich kann euch nicht mal beschreiben wie sehr. Ich schrieb weiterhin mit Björn und erzählte ihm, wie eng das Flugzeug sei. Wer von euch schonmal mit Ryanair geflogen ist, wird das sicher bestätigen können. Mir war so heiß und übel und dann schlossen die Türen. Nun gab es kein Zurück mehr. Nun musste ich da einfach durch.

Wir rollten also auf die Startbahn .. ich schaute einfach raus und probierte mich zu beruhigen. Denn da bekam ich direkt die erste Panikattacke. Ein Glück bekam ich sie noch in den Griff bevor wir richtig starteten. Also 3 Mal ordentlich durchgeatmet und schon hörte ich wie die Düsen auf Betrieb gestellt waren und wir fuhren schnell und zack ging es auch schon hoch. Und da bekam ich die nächste Panikattacke. Ich atmete und dachte jeden Moment übergebe ich mich. Aber nach ein paar Minuten war dieses Gefühl vorüber.

 

Flugstart

 

Über den Wolken

Als wir dann oben waren und die Reisehöhe erreicht hatten, ging es mir besser. Wir sind durch eine dicke Wolke geflogen und oben schien einfach die Sonne, ich schaute auf die Wolken runter und war auf einmal völlig losgelöst. Mulmig war mir natürlich immer noch, aber die Panik kam nicht wieder. Ich probierte es einfach zu genießen, denn ICH hatte es geschafft. Ich bin eingestiegen und losgeflogen und habe es durchgezogen. Nun probierte ich einfach die Aussicht zu genießen und zu entspannen. Was sich so einfach anhört, war es natürlich nicht. Aber was anderes hätte ich ja auch gar nicht machen können. Nebenbei filmte ich noch für Mia mit, denn sie wollte wissen wie hoch man mit einem Flugzeug ist. Denn, dieses Jahr wird sie ihren ersten Flug erleben. Und darauf ist sie schon so gespannt und bat mich darum. Auftrag erfüllt 🙂

Ich finde ja fliegen an sich ziemlich faszinierend. Man ist in einer Maschine, weit oben im Himmel und über den Wolken. Unter den Wolken ist es grau und über den Wolken ist blauer Himmel und Sonnenschein. Und genau diese Faszination ließ mich von Minute zu Minute ruhiger und entspannter werden. Viel passieren konnte ja erstmal nicht mehr.

 

verlassen der komfortzone

 

„Wir setzen zur Landung an.“

Und nach sehr kurzer Zeit begann auch schon die Landung. Der Flug dauerte 40 Minuten. So lange brauche ich täglich von der Arbeit bis nach Hause. Und nun war ich auf einmal in einem anderen Bundesland, einer anderen Stadt. Verrückt. Für Menschen die sehr viel fliegen werden meine Worte sicherlich nur zu einem Schulterzucken verführen. Leute, die wie ich aber Flugangst haben und seit 9 Jahren einfach nicht geflogen sind, werden meine Euphorie vielleicht verstehen.

Es ist ja nicht so, dass ich nie geflogen bin, das bin ich als Kind und Jugendliche tatsächlich ziemlich oft. Aber umso älter ich wurde, umso größer wurde auch meine Angst. Und nun bin ich einfach mal komplett alleine geflogen. Ich konnte die Landung kaum abwarten. Das Gefühl, wenn die Räder des Flugzeugs den Boden berühren und dieser extremen Bremsung. Die Erleichterung wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und das man wieder sein eigener Heer ist. Grandios.

Im Flugzeug über Köln Komfortzone

 

 

Angekommen.

Nach der Landung verließ ich das Flugzeug und war einfach unheimlich Stolz auf mich. Das ich am Abend nochmals in den Flieger muss, ließ ich gedanklich erstmal links liegen. 😉 Ich ging meiner Mission nach und wuchs an diesem Tag absolut über mich selbst hinaus. Ich habe eine andere Seite an mir kennengelernt. Eine, die sagt, sie möchte mehr davon. Mehr allein machen, Ängste ausblenden und einfach mal machen. Nicht die Angst über mich herrschen lassen und das ich dadurch vielleicht Dinge verpasse. Wir wachsen mit unseren Aufgaben. Ich war einfach nur happy.

Ich verbrachte den gesamten Tag in Bonn. Saß alleine am Rhein, genoss das Wetter und aß eine Kleinigkeit. Später war ich mit Begleitung unterwegs. Dennoch habe ich gemerkt, als ich so alleine da saß, dass sowas für mich gedanklich sonst immer unmöglich schön. Und aus dem Unmöglichen wurde Möglich mit einem guten Gefühl.

Aussicht am Rhein Komfortzone

Und nun wieder ab nach Berlin.

Am Abend musste ich natürlich auch wieder zurück nach Hause. Mir war natürlich wieder mulmig, allerdings hatte ich nicht mehr soviel Angst wie am Morgen. Ich wusste ja, ich habe es schon einmal geschafft und somit war das doch jetzt ein Klacks. Und was soll ich euch sagen? Die Panik blieb aus. Ich genoss die Aussicht bei Nacht und staunte über all die Lichter und freute mich ebenfalls wieder sehr, als wir zur Landung ansetzten.

Diesen Tag habe ich gemeistert und meine Komfortzone verlassen. Ich habe an diesem Tag einen ordentlichen Sprung in meiner Persönlichkeit gehabt und vorallem auch für mein Selbstbewusstsein. Und ich kann nur alle ermutigen: Tut es. Weil es einfach gut tut. Ich hab es für euch ausprobiert und ihr könnt mir glauben.

Im übrigen geht in wenigen Stunden unser Flieger in den Urlaub. 😉 Bammel habe ich natürlich wieder, aber ich freue mich auf 2 Wochen mit meinen Liebsten.

Alles liebe für euch!

Eure Mine

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