Berlin, Persönliche Erinnerungen/ Gedanken

Neuanfang & Abschied

17. Februar 2022

Hallo ihr alle,

wie ihr ja im letzten Beitrag (oder auf Instagram) mitbekommen habt, bin ich aus meiner geliebten, kleinen Wohnung in Prenzlauer Berg letztes Jahr ausgezogen. Natürlich ist der Grund von schöner Natur und kein Grund zur Traurigkeit. Nichtsdestotrotz ist dieser Umzug nicht spurlos an mir vorbeigegangen und hat mich emotional sehr mitgenommen und ich habe auch lange gebraucht um diesen neuen Beginn zu verdauen. Und wisst ihr was? Es ist total okay, dass das so war und ich meine Zeit gebraucht habe um in der neuen Wohnung (+ neuem Bezirk) anzukommen.

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben

Dies wurde einst in einem Song gesungen und ich muss sagen: So ist es. Als mein Partner und ich uns entschieden zusammen zu ziehen, war uns klar, dass unsere beiden Wohnungen zu klein sind für einen Zusammenzug, denn wir benötigten definitiv mindestens 4 Zimmer. Allerdings hatten wir beide eben genau dieses eine Zimmer zu wenig und so mussten wir ein passendes Zuhause für uns finden. Ich liebte meine kleine Wohnung in Prenzlauer Berg sehr. Ich bin in diesem Bezirk selbst groß geworden – von der Grundschule, bis zur ersten Liebe, Kind, Ehe und co. habe ich alles dort erlebt. Für mich persönlich hingen in der Wohnung und auch in dem Bezirk viele positive Erfahrungen die ich nicht missen möchte, die mir aber einen emotionalen Abschied bescherten.

Als wir auf der Suche nach einer neuen Wohnung waren, hab ich das sehr verdrängt. Jedoch als der Umzug feststand wurde der Kloß in meinem Hals immer dicker und größer und die Realität klopfte an und sagte mir: „Es wird Zeit Abschied zu nehmen.“ Ich freute mich sehr auf die neue Wohnung, das zusammenleben und die Zukunft. Gleichzeitig fiel mir der Abschied sehr sehr schwer.

Time to say goodbye

Stück für Stück packte ich mein „altes“ Leben in die Umzugskisten um (m)ein neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Ich sortierte unfassbar viel aus und befreite mich von altem, schweren Ballast. Während ich die Kisten packte, flossen auch Tränen. Einerseits, weil ein Kapitel beendet wurde, ich zudem wusste, dass ich meinen Kiez nun verlasse. Ich war mir immer so sicher, dass ich diesen niemals verlassen werde, meine günstige Wohnung nicht aufgeben werde. Und doch trat ein Mensch in mein Leben wo all diese Gedanken plötzlich gar nicht mehr so laut waren. Und somit waren es auch Tränen der Vorfreude, weil ich einfach mutig gewesen bin, mich etwas getraut und neues gewagt habe.

Mit jeder einzelnen Kiste die gepackt wurde, entstand ein neues Gefühl. Ich war stärker als meine inneren Ängste und habe meine Komfortzone sowas von verlassen. Die Entscheidung wegzuziehen fiel mir anfangs (obwohl auch die Euphorie und Freude überschwangen) unfassbar schwer. Ich bin ein absolutes Gewohnheitstier und neue Dinge brauchen bei mir Zeit. Ich befand mich emotional zu der Zeit wirklich in der Achterbahn der Gefühle.

Als der Tag der Schlüsselübergabe statt fand war ich recht gefasst. Ich habe mich von meiner Wohnung gebührend verabschiedet. Ich ging durch jeden einzelnen Raum, ließ all die schönen Momente in meinem Kopf abspielen und musste lächeln. Danach setzte ich mich auf den Fußboden meines alten Schlafzimmers und trank einen Piccolo und ließ eine Träne kullern. Ich war fein damit und bereit „Aufwiedersehen“ zu sagen.

Ich übergab die Schlüssel dem Pärchen, welches nun in meiner alten Wohnung ihre Zukunft beginnen wollten und fuhr zurück in mein neues Leben, meine neue Zukunft.

Aller Anfang ist schwer

Da war ich also nun: in meiner neuen Wohnung, teilweise noch im Chaos sitzend, in einem mir fremden Bezirk. Ich brauchte wirklich Zeit um mich an die Ruhe und die neue Gegend zu gewöhnen. Mir fehlte sehr schnell der Trubel, den ich täglich im alten Kiez hatte, mal abgesehen von gutem Kaffee. Mein Freund fasste sich ein Herz und beschenkte uns mit einer Siebträgermaschine und besorgte Kaffeebohnen aus einem meiner Lieblingscafés, damit mir die Eingewöhnung hier leichter fällt.

Ich weinte anfangs viel und ich setzte mich sehr unter Druck, denn ich wünschte mir so sehr, dass das Gefühl von „Zuhause sein“ eintrifft. Dies passierte aber erstmal gar nicht. Und genau das machte mich emotional fertig, denn in meiner Wunschvorstellung richteten wir alles zusammen ein und sofort setzt ein Gefühl von „hier ist mein Zuhause“ ein. Pustekuchen – das dauerte seine Zeit und mittlerweile muss ich über mich selbst schmunzeln.

Auch meine Therapeutin probierte mich damals zu beruhigen, dass meine Gefühle total normal sind. Dass ich nicht hunderte km wegziehen müsse um so zu fühlen. Ich habe etwas „verloren“, was mir sehr wichtig war und das braucht eben Zeit in jegliche Richtungen. Und genau das konnte ich dann annehmen und Stück für Stück wurde alles besser.

Jedem Abschied wohnt ein Zauber inne

Nun wohnen wir seit über einem Jahr in der neuen Wohnung. Hier und da sind wir noch am rödeln und ich habe kleinere Pläne noch für die Wohnung. Umso wohnlicher es wurde (als wir zB endlich eine Küche hatten) umso leichter fiel es mir das Alte loszulassen und das Neue anzunehmen. Mittlerweile mag ich unsere neue Wohngegend und wenn ich mal in den alten Kiez fahre bin ich oft gestresst. Diesen Trubel habe ich dann doch nicht vermisst und freue mich auf die Ruhe hier Zuhause.

Jeder hat in der Wohnung sein kleines Reich: Sei es mein Partner mit seinem Büro, ich mit meinem und M. hat ihr hübsches, liebevoll eingerichtetes Kinderzimmer. Unser sehr großer Balkon ist das Herzstück und ich freue mich schon wieder sehr auf den Frühling und Sommer, an dem die Tage dort vermehrt stattfinden und man die Abende dort bei einem Wein ausklingen lässt. Auf die Spaziergänge hier im Grünen und um die Seen mit unserem Hund.

Wir wissen zwar, dass das hier nicht unsere Endwohnung ist und wir ganz sicher nochmal zusammen umziehen werden, aber jetzt gerade fühlt sich das hier alles gut und richtig an. Auch wenn ich ab und an mal an die alte Zeit, den alten Kiez und meine kleine Wohnung zurückdenke: so sind die Gedanken immer sehr positiv und ich hab ein Lächeln auf den Lippen. Es war eine gute Zeit dort, aber auch hier ist sie das.

Einfach mal Mut haben und machen

Ich gehöre zu den Menschen, die sich meist alles im Vorfeld zerdenken und das Gewohnte lieben, denn: Das ist Sicherheit. Wenn ich nicht im Vorfeld weiß, was passieren könnte, dann macht es mich nervös. Wenn ich somit gerade in diesem Aspekt eins gelernt habe, dann, dass man einfach mal Mut haben sollte. Ich kann ja gar nicht wissen wie es wird, wenn ich es nicht ausprobiere. Ich bin mit diesem Um- und Zusammenzug wirklich gewachsen und bereue es absolut nicht.

Dies hat mir gezeigt, die Komfortzone zu verlassen kann angst machen, aber das Neue und spannende kann so viel Schönes mit sich bringen, dass ich bereit bin öfter mal mutig zu sein. Ich werde immer Sicherheitsliebend sein, aber ab und an mal um die Ecke zu schauen und vielleicht auch abzubiegen, das bekomme ich hin. 🙂

Bisher waren die „Risiko“Entscheidungen in meinem Leben immer gut und sind nie schlecht ausgegangen. Sie waren selten, dafür umso grandioser. Ich freu mich darauf, wenn es wieder heißt: Neuer Mut, neue Runde.

Wann seid ihr das letzte Mal so richtig mutig gewesen oder hattet mit einem Abschied länger zu kämpfen?

Alles Liebe für euch & bleibt gesund,

eure Yasmine

 

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